
Trüb und kalt das sind unsere ersten Eindrücke von Portugal. Ein rauer Wind bläst uns entgegen. Immer wieder beginnt es zu regnen. Aveiro heisst unsere erste Station in Portugal. Aveiro liegt direkt am Atlantik in einer Lagune eingebettet. Trotz des schlechten Wetters scheinen die Leute hier recht fröhlich zu sein. Das machen sicher die farbenfrohen Häuser aus. Jedes Haus hat seinen eigenen Anstrich.

Heute gönnen wir uns eine portugiesische Spezialität
Kaffee mit Pasteis de Nata
mmhh lecker!
Nachmachen ist erlaubt. Rezept findest du im Internet.
Das Wetter bessert sich nur leicht. Wir haben uns entschieden an Porto vorbeizufahren und dafür Lissabon zu besichtigen. Schon viel Interessantes habe ich rausgesucht, welches wir besichtigen möchten. Einen möglichen Stellplatz habe ich auch bereits erkundet. So genau weiss man das ja erst, wenn man vor Ort ist und sich ein genaues Bild davon machen kann. Das Wetter hält sich tapfer. Nur ab und zu fällt leichter Regen. Über Westeinfahrt bei Belem (A8 – A36) erreichen wir Lissabon. Viel Verkehr und noch mehr Verbotstafeln für Fahrzeuge über 3.5T stellen uns vor ein schier unlösbares Problem. Wir suchen eifrig nach Lösungen. Nichts! An dem Ort wo wir unseren Stellplatz vermuteten, wir jetzt gerade das Weihnachtsspektakel aufgestellt. Karusselle und jede Menge Zelte versperren uns den gesichteten Platz. Hinzu kommt, dass jeder Strassenparkplatz von PKW’s genutzt wird. Wir suchen weiter und fahren auf die andere Seite der Stadt. Auch hier nichts. Bei den Stadtbussen fragen wir, wo es entsprechend grosse Parkplätze gibt. Alle schüttelten den Kopf und meinen: hier nicht und in der Nähe wird es auch schwierig. Nach 2 Stunden intensiver Suche brechen wir resigniert ab. Lissabon wir kommen wieder….!

Unser nächstes Ziel ist Sintra. Das ist eine kleine Stadt ganz in der Nähe von Lissabon. Dort scheint man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu gelangen. Den Stellplatz finden wir gleich vor der Stadt auf einem riesigen Parkplatz mit eigenem Sintra-Bus. Wow so ein Service! Jede halbe Stunde fährt der Bus direkt zur der Haupt-Haltestelle der eigentlichen Ausflugsbusse. Hier kann man mit der Linie 434 + 435 die historischen Attraktionen besichtigen. Sintra diente lange als Sommerresidenz der Könige. Das bewaldete Gelände ist mit Attraktionen, Herrenhäuser und Palästen voll gespickt. Kunstvolle Keramikfliesen sind überall zu sehen. Die Hauptattraktion gilt jedoch den Palácios da Pena, da Regaleira und de Sintra und das Castelo dos Mouros. Hier sieht man die verschiedenen Epochen wieder sehr gut. Römer, Mauren, Christen, Jesuiten, Dichter, Künstler, Adelige und Könige alle hinterliessen ihre Spuren. Das grosse Erdbeben 1755 richtete leider auch hier grosse Zerstörung an. Da aber die ganze Oberschicht hier beheimatet war, wurde alles wieder top aufgebaut. Seit 1995 gehört Sintra zum UNESCO Weltkulturerbe. Wir können uns gar nicht genug satt sehen von den wirklich eindrücklichen Gebäuden. Just zur richtigen Zeit scheint auch wieder die Sonne und bringt alle Schönheiten hervor. Sogar Kamelien Blüten sind zu sehen.
Leider müssen wir uns wieder trennen von all diesen Kunstwerken. Der Ruf der Ferne zieht uns zum nächsten Ort Evora. Das heisst kurz vor Evora biegen wir in die Nebenstrasse nach Nossa Senhora de Guadalupe ab. Die Strasse schmälert sich wieder und die erste Tafel mit max. 5.5T erscheint. Oh Gott, das hatten wir ja schon, nein da müssen wir durch. Nochmals rechts und wir stehen vor dem kleinen Häuschen der Archälologen. Hier beschaffen wir uns die ersten Informationen und einen heissen Kaffee. Verschiedene Handwerkserzeugnisse werden hier angeboten: von Honig, Essenzen bis Schnitzereien und Lederwaren. Nach dem wir alles durchgelesen haben, begeben uns in die Zeitrechnung 4000 bis 2800 v Chr (von Stein- zur Kupferzeit). Was gibt es da so Sehenswertes? Nur alte Steine! Doch ganz besondere Steine wie wir dann feststellten. Auf der sehr holprigen Strasse fahren wir etwa 5 Km. Auf der halben Strecke halten wir jedoch nochmals an und folgen dem kleinen Pfad. Hurra wir haben Obelix mit Hinkelstein gefunden! Endlich wissen wir wo Obelix die Steine her hat. Auf dem schmalen Weg wieder zurück und weiter holpern. Der zuvor erzählte riesge Wendeplatz entpuppte sich jedoch doch sehr viel kleiner. Wir lassen unser Womo einfach mitten in die Strasse stehen. Zu Fuss geht’s weiter bis zu dem Steinkreis/Cromlech dos Almendres. Die 1 bis 3 Meter hohen Steine sind in west-östlich gerichtetem Steinoval in Form einer Acht aufgestellt. Wenige Steine tragen Augenmotive, Kreise. Stonehenge von Evora! Mit dem Unterschied, dass Evora 1000 bis 2000 Jahre älter ist als das bekanntere Stonehenge. Mit dem Regenschirm in der Hand begutachten wir Stein für Stein. Ein Stein liegt mitten drin. Ich würde mal meinen Altar gerecht aufgestellt. Ein Mensch passt genau da drauf. Allmählich regnet es kräftiger. Obelix und ich beschliessen auf den Stellplatz in Evora zu fahren.
Evora auch das ist eine mir zuvor unbekannte Stadt in Portugal. Schade eigentlich, denn zahlreiche Relikte befinden sich in der von Römer gegründeten Stadt. Das historische Zentrum wurde 1986 in die UNESCO – Liste aufgenommen. Die Römer erstellten den noch heute zu bestaunenden Diana-Tempel, die Burg sowie das Aquädukt. Die Mauren eroberten die Stadt und setzten eine Moschee hinein. Gemäss den Geschichtsbüchern vertrieb 1165 n.Chr. Geraldo sem Pavor durch eine List die Mauren. Die Stadt mit samt seiner Mauer ist bis heute erhalten geblieben. Gleich hinter dem einen Stadteingang befindet sich ein wunderschöner Park mit Brunnen, Teich, Enten und Pfauen. Durch die gepflasterte Strasse gelangt man mitten ins Stadtgeschehen. Am meisten beeindruckte mich die mit Skeletten verzierte Knochen-Kapelle. Wie kommt man auf die Idee eine Kapelle aus Knochen zu erstellen? Meine Nachforschung ergab, dass bereits im Judentum sogenannte Knochenkästen erstellt wurden. In rund 10 europäischen Ländern wurden solche Kapellen erstellt. Die Gründe dafür sind: Sammelstellen für Gebeine, Platzgründe, praktische Erfordernisse. Mit Schaudern und Neugier besichtigen wir die Kapelle, welche sich in der Kirche von San Franziskus befindet. Im oberen Stock der Kirche befindet sich gerade eine Ausstellung mit Weihnachts-Krippen aus der ganzen Welt. Unglaublich so viele interessante Dinge an einem Ort zu finden. Viele Künstler, Strassencafés, Souvenirläden und Handwerkerläden säumen die Strassen. In den Gassen findet man Haustüren mit einem Stiefelknecht. Ein echter Geheim-Tipp, dieses Evora.

Unterwegs übernachten wir auf einem wirklich tristen Womo-Stellplatz. Doch oh weh, so viele Womo’s wie auf diesem Platz sahen wir selten. Wie kommt das? Ganz in der Nähe üben sich die Surfer auf ihren Brettern. Am Strand darf man nicht übernachten, meist werden sie auch von der Polizei weggewiesen. So stellen sie sich auf den nächst gelegen Platz hin. Glück gehabt – mit grossem fahrerischem Können manövrieren wir uns wieder aus diesem Surfer Paradies hinaus.
Letzte Station vor Amerika heisst Cabo de Sao Vicente. Der südlich-westlichste Punkt Europas. Die steilen 75 Meter hohen Felswände halten die hohen Wellen des Atlantiks sicher auf. Die Schiffe müssen aus Sicherheitsgründen genügend Abstand zum Felsen halten. Der darauf stehende Leuchtturm, ist der stärkste Europas und zweitstärkste der Welt mit einer Leuchtkraft von über 50 Seemeilen. Er ist überlebenswichtige Orientierungshilfe für alle Seefahrer.
Sagres, wie das bekannte portugiesische Bier. Wer die Brauerei Sagres hier sucht, liegt leider völlig falsch, denn sie befindet sich in der Nähe von Lissabon. Sagres ist wirklich ein kleiner Ort mit fantastischen Sand-Stränden. Der kleine Ort bietet nicht allzu viel. Er ist von einem Naturschutzgebiet umgeben. In früherer Zeit war er Ausgangspunkt zahlreicher Seefahrer. Nach der Legende soll beim Fortaleza des Sagres einst die sagenumworbene Seefahrereschule von Heinrich dem Seefahrer gestanden haben. Immer wieder wurde das Fort jedoch durch Piraterie oder Naturgewallten zerstört. Vor dem Fort stellen wir uns auf den grossen Parkplatz hin zu den anderen Womo’s und feiern den 1. Advent.




































