Einfahrt auf die riesige Fähre geht recht zügig voran, bis zwei Arbeiter unterschiedliche Vorstellungen haben. Der Eine meint wir sollen ganz in die Ecke zurücksetzen und der andere meint nein hier vorne ist gut. Schlussendlich setzen wir noch 2 Meter nach vorne that‘s it. Die Meerenge von Gibraltar ist heute viel befahren und die Überfahrt ist ganz ruhig. Ganz gemütlich besichtigen wir das Schiff. 2 Stöcke rauf, 1 Stock runter, dann ganz oben aufs Deck. Den herrlichen Rundum-Ausblick geniessen wir ganz allein, keine Menschenseele. Wir wissen vor lauten freien Sitzen, gar nicht wo wir uns hinsetzen wollen. Das dumpfe aber unüberhörbare Signalhorn ertönt und wir legen ab. Auf der linken Seite verabschieden wir uns vom Felsen von Gibraltar. Auf der rechten Seite begleitet uns das Festland von Spanien noch eine ganz Weile, bis es immer weiter weg rückt und das Rif-Gebirge auf der marokkanischen Seite sichtbar wird. Die Sonne begleitet uns bis in den Hafen von Tanger Med.
Achtung fertig los! Die Sicherheitsschranke zu den Fahrzeugen wird geöffnet. Ein richtiger Run findet nun statt. Jeder möchte als Erster beim Fahrzeug sein. Kaum eingestiegen fahren die ersten Fahrzeuge an uns vorbei. Beim Verlassen des Schiffs wird jedes Fahrzeug nochmals kurz kontrolliert und angewiesen wohin es weiterfahren soll. Wir folgen dem Schild Exit. Ich glaube ich träume heute Nacht von den vielen Exit Schildern. Endlich letzte Station, Zollstation. Ein netter Zöllner bittet uns noch durch den Scanner zu fahren. Eine riesige Maschine, wow! Den ganzen Tag scannt dieses Unding die Fahrzeuge. Anschliessend werden wir uns nach Drohnen und Waffen befragt und erhalten eine spezielle Fahrzeug-Karte für die regelmässigen Polizeikontrollen.
Inzwischen verdunkelt sich der Himmel. Die Wolken scheinen schon fast den Boden zu berühren, es beginnt zu regnen. Über die Autobahn erreichen wir am schnellsten unser erstes Ziel Camping Moulay Bousselham. Das liegt am atlantischen Ozean mitten Naturschutzgebiet zwischen Tomaten, Erdbeeren und anderen Gemüse-Kulturen. Hier geniessen wir die Ruhe und besorgen uns eine SIM-Karte der Telecom Maroc. Auf diesem Camping versammeln sich wohl alle Marokko-Womo-Fans zum Start ins Marokko-Abenteuer. Einige davon lernen wir näher kennen. Sicher begegnen wir dem Einen oder Andern wieder, wir freuen uns schon darauf.
Der Campingplatz ist relativ gross. Die Einrichtungen sind sehr veraltet, doch hurra es gibt warmes, nein sogar heisses Wasser! Doch bitte nicht trinken. Die elektrischen Installationen lassen auch sehr zu wünschen übrig. Sie sehen sogar lebensgefährlich aus. Gut haben wir unsere eigene elektrische Solaranlage. Dafür wird der Abfall jeden Tag mit Pferd und Wagen geleert (Greta dankt‘s) – richtig umweltbewusst. Gern möchte ich wissen, was danach geschieht…
Heute geht’s weiter südlich…mal sehen wie weit wir kommen. Aha – hier wachsen Bananen. Sie wachsen in riesigen Treibhäusern gut geschützt. Kilometer lange Plantagen – so viele Bananen, schier endlos! Endlich erreichen wir Mohamedia unweit von Casablanca. Auf dem kleinen gleichnamigen Campingplatz suchen wir einen grösseren Platz. Als wir alles eingerichtet haben, erkunden wir zu Fuss die nähere Umgebung. Es ist traurig alles ist oder wird verbaut. Neue Ferienanlagen werden aus dem Boden gestampft und die Kulturen sowie natürlich auch die Bevölkerung müssen weichen, um dem Tourismus den Vortritt zu überlassen. Das ganze Gebiet scheint mir, wird mit dem Schnellzug überfahren. Die Müllabfuhr kann der Menge nicht folgen. Viele Mülltonnen überquellen. Die wilden Katzen und Hunde suchen in diesen Müllbergen nach Nahrung. Viele dieser Tiere sehen krank aus. Wie ich schon erwähnte, ist der Müll ein grosses Problem. Im Internet habe ich nach Kehrichtverbrennungsanlage und Recycling gegoogelt. Gibt es so etwas hier in Marokko? KVA habe ich nicht gefunden, jedoch Recycling scheint hier in Casablanca ein Thema zu sein. Zwei interessante Webseiten habe ich gefunden: https://daslamm.ch/der-alte-mann-und-der-muell/ – Dieser Artikel hat mich sehr nachdenklich gemacht und ich hab weiter gesucht. Kennt man in Marokko eigentlich Recycling? Ja, tatsächlich genau 1 Firma recycelt http://www.atlasgreen.net/.
Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Casablanca. Wir wollen mit dem Bus zum Bahnhof. Leider fährt gar kein Bus zum Bahnhof. So nehmen wir das Sammeltaxi. Gerade mal 1€ bezahlen wir zu zweit für die 7-10Km lange Fahrt. Am Bahnhof stellen wir uns in die Warteschlange zum Bahnschalter. Plötzlich ruft der eine etwas und wir sind fast die Einzigen am Schalter. Der Bahnbeamte stellt uns ein Ticket aus. Ich möchte Hin – und Zurück lösen, doch das gibt es nicht. Wir bekommen nur eine einfache Fahrt. Stolz gehen wir mit dem Ticket die Unterführung durch zum Perron. Naja ich glaube wir sind wiedermal die Einzigen, die anderen nehmen die Abkürzung über die Gleise zum Perron. Es stehen 2-3 Bähnler auf dem Perron und schauen, dass niemand zu nahe an den Geleisen ist. Wir stehen und warten…warten…und warten. Nach einer Weile spricht uns ein wartender Fahrgast an und erklärt uns, dass der Zug verspätet kommt. Schliesslich kommt unser Zug dann doch noch. Übrigens der Zug kann auch mit offenen Türen fahren. Also aufpassen!. In Casablanca angekommen, werden wir als erstes überrannt von Taxifahrern, welche uns irgendwohin fahren möchten. Wir lehnen dankend ab, denn wir wollen den Weg bis zur Hassan Moschee zu Fuss gehen. Es scheint allerdings ziemlich schwierig zu werden. Eine riesige Baustelle, kein schützendes Trottoir und eine Menge Schmutz und Staub schlucken wir auf der viel befahrenen Strasse. Auf der rechten Strassenseite stehen Hochhäuser und Einkaufshäuser. Dann stehen wir vor der gewaltigen Hassan Moschee. Die Hassan-II.-Moschee, eine der grössten Moscheen der Welt, wurde anlässlich des 60. Geburtstags des damaligen marokkanischen Königs Hassan II. erbaut. 2500 Arbeiter und 10.000 Handwerker arbeiteten sechs Jahre lang an der Moschee. Am 30. August 1993 wurde der Bau eingeweiht.
Assim unser Guide führt uns durch die verschlungenen Gassen durch Casablanca. Bei Abdullah halten wir und verpflegen uns. Mmh richtig lecker! Danach führt uns Assim sicher durch die dunklen Gassen der alten Medina. Einem Drechsler schauen wir bei der Arbeit zu, gleich daneben werden Hühner lebend verkauft (frischer geht’s nicht!) und der Trommelbauer wartet auf Kundschaft. Neben dem Tuk-Tuk-Mechaniker werden uns frische Oliven und andere Waren angeboten. Der Duft von frischen Kräutern und Gewürzen steigt uns in die Nase. Hatschi! Das war wohl der Pfeffer. Sogar Creme-Schnitten finden wir im Gewirr des Marktes. Ich kann mich kaum satt sehen von den vielen interessanten Sachen. Meine Füsse schmerzen allmählich, endlich ein kleines Café zum Ausruhen… ah schön war’s, Danke Assim für die kurzweilige Führung.


























